Rückblick auf das erste Untersuchungsjahr
Das erste Jahr im Projekt „Der Goldene Scheckenfalter (Euphydryas aurinia) auf Trockenstandorten in Deutschland“ ist bereits vorbei. Dreh- und Angelpunkt waren in diesem Jahr die ökologischen Studien zur Habitatnutzung des Goldenen Scheckenfalters. Bei unserer ersten Untersuchung zum Vorkommen des Falters im Untersuchungsgebiet, wollten wir herausfinden, ob die Art ihre Habitate konstant nutzt oder es eine Besiedelungsdynamik gibt. Dazu wurde eine intensive Falterkartierung durchgeführt und mit den Ergebnissen einer Biotopkartierung aus dem Jahr 2019 verglichen. So konnten wir nachweisen, dass manche Habitate nur in einem Untersuchungsjahr genutzt wurden, während andere konstant besiedelt oder nicht besiedelt waren.
Weiterhin wurden umfassende Analysen zur Funktionellen Konnektivität durchgeführt, einem Distanzmaß, welches die Raumwiderstände der Umgebung miteinbezieht. Als typische Metapopulationsart stehen die einzelnen Lokalpopulationen von E. aurinia durch den gelegentlichen Austausch von Individuen in Beziehung zueinander und sind somit auf eine gute Vernetzung ihrer Habitate angewiesen. Mittlerweile sind viele geeignete Habitate jedoch isoliert und von Wald umgeben.

Werden die aktuellen Vorkommen einer Art besser durch die historische als durch die aktuelle Landschaftsstruktur erklärt, ist in der Regel von einer Aussterbeschuld (extinction debt) auszugehen. Dieses Phänomen beschreibt ein zu erwartendes zeitverzögertes Aussterben als Reaktion auf eine Verschlechterung der Umweltbedingungen. Die Vorkommen einer Art sind in diesem Fall vor allem auf die Umweltbedingungen in der Vergangenheit zurückzuführen, welche aktuell nicht mehr erfüllt werden und somit den Erhalt der Population nur noch kurzfristig ermöglichen, z. B. weil lokale Teilpopulationen inzwischen zu stark isoliert sind (mehr Informationen zu unseren Untersuchungen gibt es unter „ökologische Studien“ zu finden). Da sowohl der Goldene Scheckenfalter als auch sein Lebensraum, die wertvollen Buckelwiesen, in den letzten Jahrzehnten massiv abgenommen haben, könnte dieses Phänomen auch in unserem Untersuchungsgebiet eine Rolle spielen. Daher wurden im Projektjahr 2023 historische Luftbilder georeferenziert und analysiert, um eine potenzielle Aussterbeschuld des Goldenen Scheckenfalters zu überprüfen.