Besondere Gäste Im Juni 2025
Während unserer Forschungsarbeiten konnten wir im Juni einige spannende Arten entdecken, die im Untersuchungsgebiet nur selten vorkommen. Immer wieder verirren sich alpine Arten auf unsere Flächen – obwohl wir bei unserer Arbeit nie über 1400 Metern Meereshöhe gelangen.
Mehrere unserer Renaturierungsflächen am Kranzberg liegen in Gipfelnähe bei etwa 1350m. Hier beobachteten wir am 14.06.2025 ein Männchen des Alpen-Scheckenfalters (Euphydryas cynthia). Die Art ist anhand der Flügelunterseite schwer vom Goldenen Scheckenfalter (Euphydryas aurinia) zu unterscheiden (siehe Abbildung 1). Sobald jedoch die ästhetische Flügeloberseite sichtbar wird, ist der Alpen-Scheckenfalter unverkennbar.
Das Tier zeigte eindrucksvoll sein typisches Hilltopping-Verhalten – ein Kreisen in nahezu identischen Bahnen am Gipfel. Besonders war die Begegnung deshalb, weil die Art normalerweise erst zwischen 1500 und 2000 m regelmäßig vorkommt. Am Kranzberg endet der Gipfel jedoch bereits bei ca. 1350 m, und auch die Raupennahrungspflanze, der Alpen-Wegerich (Plantago alpina), fehlt dort. Auch wenn es sich wohl um eine Zufallsbegegnung handelte, war es dennoch atemberaubend, diesen faszinierenden Falter in unserem Untersuchungsbiet beobachten zu dürfen.
Nur einen Tag später waren wir nahe der Isar unterwegs. Obwohl wir uns nur auf 1000 m befanden begegnete uns erneut ein Männchen des Alpen-Scheckenfalters. Möglicherweise war die lokale Population dieses Jahr besonders stark, sodass es an den warmen Junitagen häufiger zu Migrationsbewegungen kam.
Wir folgten dem Falter zu einem Schuttkegel und stiegen diesen bis etwa 1200 m hinauf, bis er eitgehend gehölzfrei war. Dort fanden wir zahlreiche blühende Alpen-Disteln (Carduus defloratus) und Schwalbenwurz (Vincetoxicum hirundinaria). Mit der Blütenvielfalt nahm auch die Zahl der Tagfalter sprunghaft zu.
Besonders eindrucksvoll war die Beobachtung mehrerer Alpen-Apollos (Parnassius apollo). Diese großen Falter nutzten die Thermik, segelten in langen Bahnen den Hang hinab und stiegen anschließend wieder auf. Dass sie schon in so geringer Höhe vorkamen, überraschte uns sehr.
Dank des guten Wetters war dieses Jahr die Tagfaltervielfalt im Juni besonders hoch. Es war eine Freude, die Schönheit der Alpenfalter in unserem Untersuchungsgebiet hautnah zu erleben.